Faszien und Faszientraining

Was sind Faszien?

Lange Zeit wurden Faszien als unnötiges und auch störendes Gebilde, als „Verpackungsmaterial“ angesehen. Sie durchdringen den gesamten Körper. Faszien umschließen Muskeln und deren Fasern genauso wie Organe oder Adern. Sie sind Teil des Bindegewebes. Nicht jedes Bindegewebe ist eine Faszie, aber jede Faszie entsteht aus Bindegewebe, also hauptsächlich aus Kollagen (Proteinen), Elastin und Wasser. Die genaue Zusammensetzung hängt davon ab, welche Funktion sie im Körper hat und zu welchem Organ sie gehört.

 

 

Jeder von uns hat vermutlich schon mal eine Faszie gesehen. Sie ist die dünne weiße Schicht auf Hühnerfleisch oder diese Schicht, die bei Jägern auch als „Silberhaut“ benannt wird. An anderer Stellen wiederum sind Faszien dicker, wie etwa die Struktur, die ein Steak durchzieht.

 

 

Ein einfacher Vergleich zur Veranschaulichung des Fasziensystems ist der mit einer Orange.

 

 

Diese weiße Schicht in der Orange ist zu vergleichen mit unserer Oberflächenfaszie. Sie ist eine Art Hülle unter unserer Haut. Weiters unterteilt sich die Orange in kleinere Teile und diese wieder in noch kleinere, welche mit Fruchtwasser gefüllt sind. Ähnlich wie auch in unserem Körper, denn jedes Organ, jeder Muskel und jede Körperstruktur wird durch Faszien von der anderen abgetrennt, gestützt und geschützt.

 

 

Ida Rolf (Erfinderin der Rolfing Methode) beschreibt die Faszien des Körpers als „das Organ der Form“.

 

Zutreffend, aber mittlerweile weiß man, dass es weit darüber hinausgeht.

 

 

Faszien haben im Allgemeinen vier Funktionen im Körper:

        

  • sie FORMEN
  • sie BEWEGEN
  • sie VERSORGEN
  • sie KOMMUNIZIEREN

 

Faszien umhüllen, polstern, schützen, stützen und geben die Struktur. Sie können Kraft übertragen, Spannung halten und dehnen sich. Sie sind beteiligt am Stoffwechsel, am Flüssigkeitstransport in die Zellen und deren Nahrungsaufnahme. Faszien können Reize empfangen und weiterleiten.

 

 

Und wozu nun Faszientraining?

Im Optimalfall sind Faszien geschmeidig und dehnbar und liefern uns so die bestmögliche Bewegungsfreiheit.

Folgende Vorteile von Faszientraining können zusammengefasst werden:

 

  • Muskeln arbeiten effizienter
  • Regenerationszeit nach einem Training wird verkürzt
  • Leistungsfähigkeit steigt
  • Koordination verbessert sich
  • Bewegungsabläufe verbessern sich
  • Körperfom sowie -haltung werden straffer
  • kann vor Verletzungen und Schmerz schützen
  • besseres Körpergefühl

 

Fasziale Strukturen neigen jedoch dazu, bei Nichtbenützung oder auch übermäßiger Beanspruchung oder Stress zu verkleben. Dies kann zu Verletzungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen. Um Verklebungen wieder zu lockern oder gar nicht erst entstehen zu lassen ist Faszientraining unumgänglich.

 

Faszientraining ist, auch wenn dafür vielfach Muskeln beansprucht werden, weder Krafttraining, noch ist es mit einer Dehneinheit zu vergleichen. Faszientraining sollte vier Grundfunktionen beinhalten:

 

1. Dehnen

 

2. Federn

 

3. Spüren

 

4. Beleben

 

 

 

1. Dehnen

 

Es regt die mechanischen Eigenschaften der Faszie als formgebende Substanz an. Es tut nicht nur den Muskeln, sondern auch den Gelenken gut. Im Faszientraining werden zwei Arten von Dehnen angewendet. Zum einen das dynamische Nachwippen in einer Dehnposition, zum anderen das langanhaltende Haltungsdehnen.

 

 

 

2. Federn

 

Zum Federn gehören schwingende Übungen wie Hüpfen, sie regen die elastische Speicherfähigkeit an.

 

 

 

3. Beleben

 

Dies passiert in einer Art Selbstmassage der Faszien. Dies ist das herkömmliche Faszientraining mit der Faszienrolle, wie es den meisten bekannt ist. Durch den Druck der ausgeübt wird, kommt es zu einem Flüssigkeitsaustausch in den Faszien. Dabei transportieren sie Stoffwelchselprodukte und Lymphe ab. Dabei werden nicht nur die Faszien, sondern auch die Organe, die sie umgeben, besser versorgt.

 

 

 

4. Spüren

 

Das bewusste Spüren von Bewegung betrifft abgesehen vom körperlichen Bereich auch den seelischen. In der Psychologie wird eine enge Verbindung zwischen körperlicher Veränderung und seelischer Befindlichkeit gesehen. Dieses sogenannte „Embodiment“ befasst sich mit beispielsweise körperlicher Haltung und Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung der Umwelt. Es geht eben nicht nur um Bewegung, sondern um das Erleben von Bewegung, die Wahrnehmung.

 

 

 

Ich hoffe, ich konnte eine kleine, überschaubare Einführung in die Welt der Faszien und die Vorteile von Faszientraining geben!

 

 

Wie Faszientraining funktioniert, welche Übungen es gibt

und wie sie ausgeführt werden, zeige

ich dir gern bei einer Faszientrainingseinheit in meinem Studio!

 

 

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